Meine Erfahrungen mit der Autogasumrüstung bzw. -Nutzung
Vorgeschichte 2009 (1. Auto mit Autogas):
Nach dem mich mein MB Vaneo nie ganz
begeistern konnte, kam 2009 dazu, dass ich
regelmäßig einen Anhänger mit über
600 kg Leergewicht zu ziehen hatte, was mit den 1.7 Liter Hubraum und
etwa 90 PS sehr mühselig war. Nach vielen Jahren Diesel-PKW
wollte ich auch gerne mal die Steuerbegünstigung von Autogas
nutzen und einen ruhigen, komfortablen Benziner kaufen und
umrüsten. Ein großvolumiger Diesel schied aus, weil
zwischenzeitlich die Auflastung und somit Versteuerung als LKW
entsprechender Autos abgeschafft wurde; sonst wäre eine Kia
Carnival Diesel Automatik sicherlich in die engere Wahl gekommen. Im
Pflichtenheft stand also Automatikgetriebe, Schiebetüren,
Autogaseignung, bezahlbare Anschaffung von auf jeden Fall unter 10.000
Euro.
Erster Schritt war das Lesen von vielen
Foren um den Typ näher zu bestimmen. Mein erster Gedanke
"Toyota Previa 2.4 Automatik" schied aus, da er zum Einen auch
gebraucht noch zu teuer war und zum Anderen auch die Gasfestigkeit von
Toyota-Motoren oft bemängelt wurde.
Es kristallisierte sich dann schnell der
Chrysler Voyager heraus, weil amerikanische Motoren als sehr gasfest
gelten (in den USA wird viel mit Alkohol FS85 gefahren, der wie
LPG-Autogas auch heißer verbrennt). Dazu kam, dass durch die
Wirtschaftskrise seit 2008 die Voyager-Spritschlucker relativ preiswert
auf dem Markt zu bekommen waren. Da die einheitliche Meinung "2.4 Liter
Vierzylinder ist dem 2 Tonnen Auto nicht gewachsen" überall zu
lesen war, viel die Wahl bei der Autosuche ausschließlich auf
den 3.3 Liter Sechszylinder.
Dieser Motor bot zudem den Vorteil, dass
es von
www.vialle.nl
hierfür einen fertigen Umrüstkit gibt. Da ich mich
beim Einlesen in die Autogasproblematik entschlossen hatte, dass nur
eine moderne Flüssiggaseinspritzung ohne die Nachteile von
Verdampferanlagen für mich in Frage kommt, war also alles klar
für die Autosuche.
Mehr zur Vorgeschichte auch im Forum
HIER
Vorgeschichte 2012 (2. Auto mit Autogas):
Der neue, seit 2008 gebaute Voyager (Typ RT) bietet
wegen der versenkbaren dritten Sitzreihe keinen Platz mehr für
einen Unterflurtank. Die übliche Umbaumaßnahme bei diesem
Fahrzeug auf Autogas ist nun, auf die Versenkmöglichkeit der
beiden Einzelsitze in der zweiten Sitzreihe zu verzichten und
stattdessen in diese beiden Bodenmulden je einen Gastank
unterzubringen. Da zwei Tanks bei der Vialle-Anlage extrem teuer
sind (ca. 1.000 Euro Aufpreis wurden genannt), viel die Entscheidung,
auf die moderne Variante zu verzichten und doch eine "normale"
Verdampferanlage zu nehmen. Der Verkäufer (Auto Massold in Spelle)
bot sehr günstig für alle seine Verkäufe eine Solaris -
LPG - Anlage an. Diese wird sogar mit dem OBD - Diagnosesystem des
Autos gekoppelt und bietet die Möglichkeit zu programmieren, dass
regelmäßig mal kurz für einen Einspritzvorgang lang auf
Benzin umgeschaltet wird, was - ähnlich der Flashlube-Technik der
Ventilschonung dient (soll etwa 300 ml Benzin auf 100 km ausmachen).
Auch wenn es heißt, dass die Ami-Motoren gasfest sind, habe ich
die Option einschalten lassen.
Thema Autogas - Qualität/
Mischungsverhältnisse
Wenn der Aufsatz hier
stimmt, dann dann kann man aus dem
Energieinhalt pro Liter von Propan/ Butan/ Superbenzin ausrechnen als
theoretische Werte (gleicher Wirkungsgrad, Fahrcharakter etc.
vorausgesetzt):
29% Mehrverbrauch 40/60 Sommergas zu Superbenzin
32% Mehrverbrauch 60/40 Wintergas zu Superbenzin
38% Mehrverbrauch 95/5 "Billiggas" zu Superbenzin
7% Mehrverbrauch 95/5-er LPG zu 40/60 LPG
4% Mehrverbrauch 95/5-er LPG zu 60/40 LPG
Tabelle mit Heizwerten aus oben
angegebenen Aufsatz:
|
|
Dichte [kg/l]
|
HU
Heizwert[kJ/l] |
Vstöch Luftbedarf
[kgLuft/kgKr] |
|
Propan
|
0,53
|
23.600 |
15,6 |
|
Butan
|
0,58
|
26.500 |
15,4 |
|
Diesel
|
0,83
|
35.400
|
14,5 |
|
Superbenzin
|
0,76
|
32.800 |
14,7 |
Bei uns hier ein typischer Wert aus 2009:
Automatentanke mit 95% Propan: 51,9 Cent/l
Aral - Tanksstelle mit 40% Propan: 60,9 Cent/l = 17% Mehrpreis, was den
theoretischen Mehrverbrauch vom Billiggas bei weitem
übersteigt.
Es gibt eine Tanke in der Nähe, die nimmt meist 52,4 oder 54,4
Cent und sagt am Tresen, sie hätten 40/60 (an der
Säule steht aber nix).
Unter
www.gas-tankstellen.de kann man übrigens die meist sehr
aktuellen Preise und Mischungsverhältnisse im Umkreis
nachschlagen.
Erfahrungen mit der Umrüstung meines zweiten Voyagers (2012-)
folgen hier, wenn es auch mal was zu berichten gibt und ich Zeit
dafür habe.
Erfahrungen mit der Umrüstung meines ersten Voyagers (2009-2012) durch
das Vialle-Center in Rüsselsheim und Schlussfolgerungen mal in
Stichworten:
-
Terminvereinbarung für Juli
2009 war problemlos. Es stellte sich aber später heraus, dass
er wohl noch nie einen Voyager umgerüstet hatte.
-
Abholung war auch problemlos.
Einweisung aber sehr kurz, weil viel zu tun war.
-
Kurz danach kompletter Ausfall der
Gasanlage. Ursache war eine durchgebrannte Sicherung der Gassteuerung.
Kommentar des Umrüsters: "... ach ja, stimmt, ist ja ein
Sechszylinder und da ist die 4A etwas unterdimensioniert und es muss
eine 6A rein, hatte ich vergessen, weil meistens 4-Zylinder hier sind
...". Ging zwar schnell, aber diese Nachlässigkeit kostete
mich wieder 200 km und entsprechend Zeit.
-
In den ersten Wochen kam es bei
leichtem Dahingleiten um die 2.000 U/min war immer wieder ein leichtes
Ruckeln festzustellen. Auch beim Umschalten von Benzin auf Gas gab es
immer ein Ruckeln. Eine Probefahrt mit dem Umrüster-Chef
brachte keine Klarheit, sondern nur die Empfehlung des
Zündkerzenwechsels.
-
Umrüstung auf
Iridium-Zündkerzen selbst gemacht, was aber keine Abhilfe
schaffte. Da bei dem V6 der Zündkerzenwechsel nicht gerade
eine Freude ist, halte ich es für einen gravierenden
Mängel, dass der Umrüster nicht vorher darauf hin
wies, dass Gasfahren mit schlechten alten Zündkerzen
öfters Probleme macht und man die besser mit der
Umrüstung wechselt. Ich hätte die Zündkerzen
ja besorgt und er hätte die sehr leicht einbauen
können, weil für den Umbau ja sowieso der komplette
Einspritztrakt abgebaut werden muss.
-
Zwischenzeitlich sponn die Anlage
mal komplett und fuhr gemischt mit Benzin und Gas. Grund war nicht
feststellbar, aber nach dem Neuaufspielen der Steuersoftware
funktionierte wieder alles (auch das Ruckeln). Ärgerlich dabei
nur, dass wieder die knapp 100 km zur Werkstatt gefahren werden mussten.
-
Nach dem ich auch noch erfolglos
selbst die Zündspule gewechselt hatte, wurde ein neuer
Werkstatt-Termin vereinbart, weil ich langsam sauer wurde. Ich bekam
dann vor Ort kostenfrei einen BMW-Leihwagen für einen Tag,
damit man dem Fehler auf den Grund gehen konnte.
-
Als ich am nächsten Tag
wieder kam, war das Problem gelöst und der Chef sagte mir
sinngemäß: "wir hatten neuen eine Dodge Nitro, der
das gleiche Problem zeigte - wir haben dann recherchiert und es kam
heraus, dass ein eine Klappensteuerung gibt im Ansaugtrakt, die es
erforderlich macht, dass die Einspritzung des Flüssiggases
einen Takt früher als beim Benzin notwendig ist - das haben
wir jetzt hier auch verändert und nun läuft er
einwandfrei. Dies halte ich leider auch für einen gravierenden
Mangel dieses offiziellen Vialle - Centers: warum wurde nach meinen
ersten Problemen nicht auch recherchiert? wie wäre es weiter
gegangen, wenn die nicht an dem Nitro dazu gelernt hätten?
Nachträglich bin ich mir nicht sicher, ob nicht nicht lieber
bei dem anderen Anbieter in Mainz umgerüstet hätte
und ein paar Werstattbesuche gespart hätte.
-
Seit dieser Einstellung
läuft die Anlage jetzt seit vielen Monaten problemlos und bei
meiner Jahresleistung von über 25.000 km wird die Anlage schon
nach ca. 1,5 Jahren amortisiert sein, wenn man das wirklich vergleichen
will (ich wollte ihn ja nie um mit Benzin zu fahren).
-
Der Verbrauch liegt im Schnitt bei
etwa 15-16 Litern auf 100 km und somit etwa 2 Liter über dem
Benzinverbrauch vor der Umrüstung. Auf Langstrecken auf der
Autobahn sind auch mal 13 Liter möglich. Aber mein täglicher
Weg zur Arbeit führt über die sehr bergige Westerwaldautobahn
und dort ist der Langstreckenverbrauch trotz in der Regel nur 120 km/h
nicht realisierbar.
-
Wenn man betrachtet, dass ich vorher
mit dem kleinen schwachen Vaneo fast 8 Liter Diesel brauchte und noch
einiges mehr an KFZ-Steuer bezahlte, so ist das
Preis-Leistungs-Verhältnis des Voyagers im Vergleich dazu
bisher sehr gut. Wie es die nächsten Jahre dann weiter geht,
wird sich zeigen.
-
Update Ende 2011:
nach den Anfangsschwierigkeiten habe ich nun in zwei Jahren etwa 60.000
km vollkommen problemlos zurückgelegt. Die Anlage läuft wie
ein Uhrwerk und die Entscheidung zur teureren
Flüssiggaseinspritzung wurde bis jetzt voll bestätigt; die
Anlage schaltet selbst bei minus 15 Grad Frost schon nach 1-2 Minuten
auf Gas um, was sich in einem Startbenzinverbrauch von etwa 0,5 Liter
pro 100 km niederschlägt.